Die Miete ist fällig, der Kühlschrank leer und plötzlich ist das eigene Konto gesperrt. Für viele Menschen ist eine Kontopfändung ein Schock, der den Alltag von einem Tag auf den anderen verändert. Genau in solchen Situationen soll eigentlich ein Pfändungsschutzkonto, kurz P-Konto, helfen. "Doch in der Praxis erleben Betroffene häufig das Gegenteil: verzögerte Freigaben, fehlende Informationen oder komplizierte Abläufe sorgen dafür, dass dringend benötigtes Geld nicht verfügbar ist", sagt Rita Fergen.
Rita Fergen, Leiterin der Schuldner- und Insolvenzberatung der Caritas Kleve, sowie die beiden Schuldnerberater Simon Bisseling (Mitte) und Gunnar Sandmann möchten Betroffene frühzeitig erreichen und bestmöglich informieren. Dazu haben sie das Infomaterial der Caritas zum Pfändungsschutzkonto aktualisiert. Zudem bieten sie Informationsveranstaltungen an. Julia Lörcks
Rita Fergen ist Leiterin der Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle der Caritas Kleve. Anlässlich der bundesweiten Aktionswoche "Schuldnerberatung" vom 15. bis 19. Juni zum Thema "Wie komme ich an mein Geld? - Wenn das P-Konto zum Problemkonto wird" rückt ihr Team das P-Konto in den Fokus. "Wir möchten als anerkannte Schuldner- und Insolvenzberatung Betroffene frühzeitig erreichen und sie bestmöglich informieren", sagt Rita Fergen.
Zum Hintergrund: Bundesweit geraten immer mehr Menschen in finanzielle Schwierigkeiten. Laut dem "Schuldneratlas Deutschland 2025" gelten aktuell rund 5,7 Millionen Menschen als überschuldet - 111.000 mehr als im Vorjahr. Besonders stark betroffen sind junge Erwachsene unter 30 Jahren sowie Menschen über 60 Jahre. Gründe sind unter anderem steigende Lebenshaltungskosten, Inflation, Konsumkredite und sogenannte "Buy now, pay later"-Angebote.
Das sogenannte Pfändungsschutzkonto sorgt dafür, dass trotz einer Kontopfändung ein gesetzlich geschützter Freibetrag verfügbar bleibt. So können Betroffene weiterhin Miete, Lebensmittel- und Energiekosten zahlen. Der monatliche Grundfreibetrag liegt derzeit bei rund 1.560 Euro. Zusätzliche Freibeträge, etwa für Unterhaltspflichten, können über eine Bescheinigung nachgewiesen werden. Diese stellen unter anderem anerkannte Beratungsstellen wie die Schuldner- und Insolvenzberatung der Caritas Kleve aus.
2025 gingen dort insgesamt 428 Anfragen für P-Konto-Bescheinigungen ein. Im Vorjahr waren es 391. Zugleich berichten Ratsuchende der Caritas Kleve immer wieder von Problemen im Umgang mit P-Konten. Dazu gehören unter anderem verspätete Freigaben von Guthaben, unklare Zuständigkeiten und zusätzliche Hürden bei Banken. Aus diesem Grunde hat das Team der Schuldnerberatung das bestehende Informationsmaterial zum P-Konto überarbeitet und aktualisiert. "Wir haben einen Flyer für die Banken erstellt, auf dem ganz genau beschrieben ist, was wir als anerkannte Schuldnerberatungsstelle freigeben können und was nicht. Und auch unseren eigenen Beratungsflyer haben wir noch einmal angepasst und konkretisiert."
Zur Woche der Schuldnerberatung bietet der Fachdienst aber auch verschiedene Informationsveranstaltungen zum Thema "P-Konto" an. So wird Schuldnerberater Simon Bisseling am Montag, 15. Juni, 15 bis 16 Uhr, über die Online-Beratung der Caritas informieren. "Das Angebot richtet sich vor allem an Männer und Frauen, die lieber anonym bleiben wollen", sagt Rita Fergen. Drei Tage später, am Donnerstag, 18. Juni, erklärt Schuldnerberater Gunnar Sandmann von 15 bis 16 Uhr im Caritas-Beratungszentrum an der Hoffmannallee in Kleve verständlich, wie das P-Konto funktioniert und wie Betroffene ihr Geld bei drohender Kontopfändung schützen können.
Wer sich für die Informationsveranstaltungen interessiert, kann sich bei der Schuldner- und Insolvenzberatung anmelden - Telefon 02821 7209-220 oder E-Mail schuldnerberatung@caritas-kleve.de