Haben Sie auch Ihren Hund dabei?" Es ist diese eine Frage, die Silvia Nehnes Tag für Tag hört. Immer dann, wenn sie als Alltagsbegleiterin der Mobilen Pflege Rees bei ihren Patient:innen klingelt.
Silvia Nehnes und ihr Hund Sam sind ein Herz und eine Seele.Julia Lörcks/Caritasverband Kleve e.V.
Ihr Hund - das ist Sam. Ein neun Jahre alter Terrier-Mischling, den sie vor vier Jahren auf der Internetseite "Terrier in Not" gefunden hat. Sam war rot markiert, als "dringender Notfall" deklariert. Mit Hilfe des Tierschutzvereins holte sie ihn von Rumänien nach Kalkar-Appeldorn. Sie wandte sich ihm zu - auch als er sich zwei Wochen lang hinter der Couch versteckte. Mit Hilfe einer Hundetrainerin brachte sie ihm die grundlegenden Kommandos wie "Sitz" und "Platz" bei. Für eine Ausbildung zum Therapie- oder Begleithund reicht es leider nicht. "Sam weicht mir einfach nicht mehr von der Seite", sagt Silvia Nehnes. Sie sind wie ein Herz und eine Seele.
Sam ist sehr sanft. Sehr zurückhaltend. Sehr liebebedürftig. Das spüren auch die Patient:innen der Mobilen Pflege Rees. Vor allem demenziell Erkrankte erfreuen sich über die Anwesenheit des wuscheligen, schwarz-grauen Vierbeiners. Sie fühlen und streicheln ihn, sie werden wieder mobil, blühen für eine gewisse Zeit richtig auf. Silvia Nehnes zeigt Fotos. Sam im Wohnzimmer eines älteren Paares. Sam am Küchentisch eines Mannes, der einen schweren Hirnschlag erlitten hat. Sam auf einer Parkbank am Rhein. Sam beim Spaziergang im Wald. Alle lieben Sam. Auch Silvia Nehnes kann sich ein Leben ohne Tier nicht vorstellen.
Was sie ebenso kennen- und auch lieben gelernt hat, ist die Arbeit bei der Caritas. "Ich bin eigentlich gelernte Küchenhelferin. Ich habe jahrelang in Großküchen gearbeitet, bis ich die körperlichen Anstrengungen nicht mehr tragen konnte", berichtet Silvia Nehnes. Sie sattelte um und machte vor zwei Jahren sowohl eine Umschulung zur Alltagsbegleitung nach § 53 als auch eine Umschulung als Pflegehelferin nach § 43. Seit dem 15. April 2025 arbeitet sie als Alltagsbegleiterin und Hauswirtschaftskraft für die Mobile Pflege in Rees. Sie sagt: "Caritas ist mein Leben. Ich bin unheimlich glücklich, diesen Job gefunden zu haben."
Als Alltagsbegleiterin nimmt sie ihren Hund mit zu den Patient:innen der Mobilen Pflege Rees. In den allermeisten Fällen ist Sam dann der Mittelpunkt in der Manege.Julia Lörcks/Caritasverband Kleve e.V.
Als Alltagsbegleiterin strukturiert sie den Tag ihrer Patient:innen. "Ich mache zum Beispiel Arzttermine aus, begleite meine Kunden zum Arzt und bleibe auch dabei", erklärt Silvia Nehnes. Gemeinsam einkaufen und kochen gehört ebenfalls zu ihren Aufgaben. "Rosenmontag habe ich zum Beispiel für ein Paar ,Himmel und Äd‘ gekocht. Wir haben Karnevalsmusik gehört und ein alkoholfreies Kölsch getrunken", berichtet Silvia Nehnes. Neben der Struktur ist es vor allem das Stück Lebensqualität, das sie ihren Patienten schenkt. "Viele trauen sich nicht mehr aus dem Haus. Ich mache mit ihnen Ausflüge - kürzlich war ich zum Beispiel mit meinen Senior:innen auf einem Schiff." Wenn Silvia Nehnes all das erzählt, ist es ähnlich wie bei ihren Patient:innen: Sie blüht auf. Sie berichtet mit Freude und Herzblut von ihrem Job.
Mit dabei ist meistens ihr Hund Sam. "Ich habe auch Patienten, die das nicht wollen oder Angst vor Hunden haben. Das respektiere ich natürlich", sagt sie. Doch in den allermeisten Fällen ist Sam der Mittelpunkt in der ,Manege‘. Dann bin ich - wenn ich ehrlich bin - nur seine Begleitung."
Info – Das ist Alltagsbegleitung
Alltagsbegleitung ist eine Betreuungsleistung unserer Mobilen Pflegen. Dabei geht es nicht um die Pflege, sondern um Unterstützung im Alltag und Gesellschaft. Alltagsbegleitung ist ab Pflegegrad 1 möglich und wird primär über den monatlichen Entlastungsbetrag von aktuell 131 Euro finanziert. Ab Pflegegrad 2 können weitere Budgets genutzt werden.
Die Caritas Kleve als zugelassener Pflegedienst berät gern zu den verschiedenen Betreuungsleistungen. Die jeweiligen Pflegedienstleitungen in den Mobilen Pflegen in Kleve, Elten, Emmerich am Rhein, Rees, Kalkar und Goch sind Ansprechpartner:innen. Weitere Alltagsbegleiter:innen und Hauswirtschaftskräfte werden ebenfalls gesucht.