Bevölkerungsschutz muss umfassender gedacht und vernetzter organisiert werden, darauf weist der Deutsche Caritasverband hin. "Es greift zu kurz, Krisenresilienz und Bevölkerungsschutz lediglich in technischen Kategorien zu denken, vielmehr braucht es auch belastbare soziale, personelle und logistische Strukturen, wie sie beispielsweise die Caritas bereitstellt, um Menschen in Krisenlagen effektiv versorgen und begleiten zu können", sagt Oliver Müller, Vorstand für internationale und nationale Katastrophenhilfe des Deutschen Caritasverbandes. "Wer Feldbetten anschafft, muss auch beantworten, wo diese Betten aufgebaut werden, wer die Menschen dort betreut und wie Versorgung, Begleitung und soziale Stabilisierung gewährleistet werden. Bevölkerungsschutz endet nicht bei Fahrzeugen und Materialdepots."
Die Bundesregierung betont in ihren Eckpunkten "Pakt für den Bevölkerungsschutz" ausdrücklich die bessere Koordinierung zwischen Bund, Ländern und Kommunen sowie einen "All-Gefahren-Ansatz" für den Bevölkerungsschutz. Zudem sollen Ausbildung, Wissensvermittlung und die Selbstschutzfähigkeit der Bevölkerung gestärkt werden. Aus Sicht der Caritas kann dieses Ziel nur erreicht werden, wenn die Freie Wohlfahrtspflege verbindlich in strategische Planungen, Krisenstäbe, Förderprogramme und Schulungen eingebunden wird. "Die Wohlfahrtsverbände verfügen über jahrzehntelange Erfahrung in der Arbeit mit besonders vulnerablen Gruppen. Wir erreichen ältere Menschen, Pflegebedürftige, wohnungslose Menschen, Familien oder Menschen mit Behinderung unmittelbar in ihren Lebensräumen und sind in Städten, Gemeinden und Sozialräumen tief verankert. Diese Kompetenzen müssen Teil jeder ernsthaften Bevölkerungsschutzstrategie sein", sagt Müller.
Die Caritas fordert deshalb:
- die verbindliche Beteiligung der Freien Wohlfahrtspflege an Krisenstäben und Planungen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene,
- Investitionen in personelle, digitale und logistische Ressourcen sozialer Einrichtungen,
- bundesweite Schulungs- und Resilienzprogramme für soziale Dienste,
- die systematische Berücksichtigung vulnerabler Gruppen in allen Zivilschutz- und Katastrophenschutzkonzepten,
- eine langfristige Finanzierung sozialer Resilienzstrukturen über das bisher angekündigte Investitionsvolumen hinaus.
Der Deutsche Caritasverband verweist darauf, dass Krisenbewältigung nicht allein eine Aufgabe staatlicher Sicherheitsstrukturen sei. Die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie, der Flutkatastrophe im Ahrtal und Cyberangriffen auf soziale Einrichtungen hätten gezeigt, wie entscheidend funktionierende soziale Netzwerke und lokale Unterstützungsstrukturen seien. "Zehn Milliarden Euro für wenige Jahre sind ein Einstieg, aber noch keine nachhaltige Resilienzstrategie. Bevölkerungsschutz muss als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden. Dazu gehört ausdrücklich auch die soziale Infrastruktur dieses Landes", betont Müller.
Angesichts wachsender Risiken durch Naturkatastrophen, hybride Angriffe, Infrastruktur-Ausfälle und sicherheitspolitische Krisen ist die geplante Stärkung des Bevölkerungsschutzes ein notwendiger Schritt. Der Pakt sieht Investitionen von insgesamt zehn Milliarden Euro bis 2029 vor.
Pressemitteilung
Berlin
Wohlfahrtsverbände müssen am Bevölkerungsschutz beteiligt werden
Erschienen am:
21.05.2026
Herausgeber:
Deutscher Caritasverband e. V.
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