Hinter jeder Zahl steht ein Mensch. Jemand mit einer Geschichte, mit Hoffnungen, Brüchen und Beziehungen. Daran erinnert die Caritas Kleve am Internationalen Gedenktag für verstorbene drogengebrauchende Menschen am 21. Juli mit einer multimedialen Ausstellung. Unter dem Titel "Erinnern. Verstehen. Verändern." laden acht Würfel dazu ein, den Geschichten von Menschen zuzuhören, die sonst oft ungehört bleiben.
Marie Laakmann (l.) und Jahlina Dixon mit einem Würfel der Wanderausstellung. Am 21. Juli präsentieren sie ihre Geschichten von Menschen mit Suchterfahrung morgens an der Hochschule und mittags in der Klever Innenstadt. Julia Lörcks
Die Idee dazu stammt von Jahlina Dixon von der Fachstelle für Suchtvorbeugung und Marie Laakmann von der Beratungsstelle für Suchtfragen der Caritas Kleve. Beide erleben in ihrer täglichen Arbeit, wie sehr Suchterkrankungen noch immer mit Scham und Stigmatisierung verbunden sind. Sie sagen: "Wir möchten Betroffenen eine Stimme geben und Suchterkrankungen entstigmatisieren."
Möglich machen es acht Audio-Interviews, die Interessierte über QR-Codes abrufen können. Zu Wort kommen Menschen, die von einer Suchterkrankung betroffen sind, Angehörige sowie Menschen, die suchtkranke Personen begleiten. Persönlich, ehrlich und anonym erzählen sie von Ängsten, Verlusten, Vorurteilen, Hoffnung und dem Weg zurück ins Leben. "Die Ausstellung macht sichtbar und hörbar, was im Alltag häufig ausgeblendet wird", so sagt es auch Barbara Kortland, Leiterin der Beratungsstelle für Suchtfragen. Sie freut sich sehr über das Engagement der beiden jungen Kolleg:innen.
Erinnern. Verstehen. Verändern. Das Plakat zur multimedialen Ausstellung.
Denn der Internationale Gedenktag für verstorbene drogengebrauchende Menschen ist für die Beratungsstelle nicht neu. Jährlich finden dazu Aktionen statt. "In diesem Jahr wollten wir jedoch etwas Besonderes machen", sagt Jahlina Dixon. Zusammen mit Marie Laakmann machte sie sich auf den Weg. Beide sagen: "Durch die Interviews soll jeder die Möglichkeit bekommen, auf niedrigschwellige Weise Zugang zum Thema zu erhalten, sich in den Geschichten wiederzufinden oder Mut zu schöpfen."
Wie notwendig ein offener Umgang mit dem Thema ist, zeigen aktuelle Zahlen: 2.137 Menschen starben im Jahr 2024 in Deutschland an den Folgen des Konsums illegaler Drogen. Besonders alarmierend ist der zunehmende Mischkonsum verschiedener Substanzen, der mittlerweile bei einem Großteil der drogenbedingten Todesfälle eine Rolle spielt. Fachleute warnen zudem davor, dass Suchterkrankungen weiterhin häufig zu spät erkannt werden und Betroffene aus Angst vor Ausgrenzung Hilfsangebote nicht in Anspruch nehmen.
"Der Internationale Gedenktag erinnert deshalb nicht nur an die Menschen, die durch Drogenkonsum ihr Leben verloren haben. Er macht zugleich auf die Bedeutung von Prävention, Aufklärung und einer gut erreichbaren Suchthilfe aufmerksam", sagt Barbara Kortland und ergänzt: "Denn Sucht ist eine Erkrankung. Kein persönliches Versagen. Verständnis, Menschlichkeit und ein offener gesellschaftlicher Dialog können dazu beitragen, Leben zu retten."
Info - Hier ist die Ausstellung zu sehen
Erstmals ist die Würfel-Ausstellung am Dienstag, 21. Juli, von 10 bis 13.30 Uhr auf dem Campus der Hochschule Rhein-Waal in Kleve (Fläche vor Gebäude 8 / Kran) sowie von 14.30 bis 17 Uhr in der Klever Fußgängerzone (Große Straße/Ecke Kavarinerstraße) zu sehen. Anschließend kann sie an weiteren Orten gezeigt werden. Einrichtungen, Schulen, Kommunen oder Institutionen, die Interesse an der Ausstellung haben, können sich bei der Beratungsstelle für Suchtfragen der Caritas Kleve unter 02821 7209-900 melden. Es gibt auch ergänzende Plakate, die bestellt werden können.