Hinter jeder Suchterkrankung steckt eine Geschichte. Manche sind geprägt von Einsamkeit und Verlust. Wieder andere von Hoffnung und Freiheit. Und dann bleiben die, die jahrelang verborgen bleiben. Mit einem kreisweiten Schreibwettbewerb möchte die Fachstelle für Suchtvorbeugung der Caritas Kleve genau diesen Geschichten Raum geben - und zugleich Vorurteile abbauen.
Unter dem Titel "Gesichter der Sucht - stimmt das, was uns angedichtet wird?" sind Menschen ab 16 Jahren eingeladen, Kurzgeschichten, persönliche Erzählungen oder literarische Texte einzureichen. Im Mittelpunkt steht insbesondere das Älterwerden im Zusammenhang mit Abhängigkeit, gesellschaftliche Rollenbilder und generationenübergreifende Erfahrungen. Besonders angesprochen sind Seniorinnen und Senioren im Kreis Kleve.
Barbara Kortland, Leiterin der Beratungsstelle für Suchtfragen, und Jahlina Dixon von der Fachstelle für Suchtprävention laden zu einem Schreibwettbewerb ein. Julia Lörcks
"Ich glaube, dass Geschichten Menschen auf eine besondere Weise miteinander verbinden. Sie schaffen Verständnis, öffnen neue Blickwinkel und laden dazu ein, sich mit einem Thema wie ,Sucht‘ differenziert auseinanderzusetzen - jenseits von Klischees, Stigmata und einfachen Antworten", sagt Initiatorin Jahlina Dixon von der Fachstelle für Suchtvorbeugung.
Die Beiträge dürfen fiktiv oder autobiografisch sein. Nach Einsendeschluss werden alle Texte anonymisiert und von einer unabhängigen Jury bewertet. Ihr gehören die Kulturwissenschaftlerin und Buchhändlerin Sigrun Hintzen, Autor und Psychoanalytiker Michael Bay, Gerd Engler, Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit und Soziales im Kreis Kleve und ehemaliger Leiter der Fachstelle für Suchtfragen, Barbara Kortland, Leiterin der Fachstelle für Suchtfragen einschließlich Suchtvorbeugung, sowie Angelika Hirschner, Ärztin, trockene Alkoholikerin und in der Selbsthilfe engagiert, an. Schirmherr des Schreibwettbewerbes ist Schriftsteller Christoph Peters, der zuletzt den Roman "Entzug" geschrieben hat.
Für die drei besten Beiträge sind Preisgelder in Höhe von 200, 150 und 100 Euro vorgesehen. Die Gewinnerinnen und Gewinner werden im Rahmen einer öffentlichen Lesung und Preisverleihung in der Buchhandlung Hintzen in Kleve ausgezeichnet.
Barbara Kortland hofft auf viele unterschiedliche Perspektiven: "Sucht ist weit mehr als eine medizinische Diagnose. Sie betrifft Familien, Freundschaften und ganze Lebensgeschichten. Wenn Menschen ihre Erfahrungen oder Gedanken aufschreiben, entsteht Verständnis. Und genau das hilft dabei, Stigmatisierung abzubauen."
Dass sich der Wettbewerb besonders an ältere Menschen richtet, hat einen guten Grund. Mit dem Eintritt in den Ruhestand verändern sich häufig Alltag, soziale Kontakte und Lebensrhythmen. Gleichzeitig steigt im Alter der Konsum von Medikamenten. Fachleute gehen davon aus, dass etwa fünf Prozent der über 60-Jährigen problematisch Schlaf- oder Beruhigungsmittel einnehmen. Hinzu kommen Alkohol oder Schmerzmittel, deren Risiken häufig unterschätzt werden. Gerade diese oft verborgenen Formen der Abhängigkeit bleiben gesellschaftlich wenig sichtbar.
Die Organisatoren der Caritas Kleve wünschen sich deshalb Geschichten, die unterschiedliche Facetten von Sucht zeigen - ernst, nachdenklich oder hoffnungsvoll. Dabei geht es ausdrücklich nicht nur um eigene Erfahrungen. Auch Beobachtungen, fiktive Erzählungen oder literarische Annäherungen an das Thema sind willkommen.
Hintergrund
Der Schreibwettbewerb ist Teil der nordrhein-westfälischen Landeskampagne "Sucht hat immer eine Geschichte". Sie verfolgt seit mehr als 30 Jahren das Ziel, Suchtprävention nicht nur als Aufklärung über Alkohol oder Drogen zu verstehen, sondern die Lebensgeschichten und Ursachen hinter einer Abhängigkeit in den Blick zu nehmen. Ein Schwerpunkt der Kampagne ist das Modul "Stark bleiben - suchtfrei alt werden", dass die besonderen Herausforderungen älterer Menschen thematisiert und Wege zu einem gesunden Älterwerden aufzeigt.
Info - Schreibwettbewerb "Gesichter der Sucht - was wir tragen und was uns zugeschrieben wird"
- Wer? Menschen ab 16 Jahren, besonders Seniorinnen und Senioren aus dem Kreis Kleve
- Was? Kurzgeschichten, Erzählungen oder literarische Texte zum Thema Sucht
- Einsendeschluss: 30. Januar 2027
- Bewertung: anonym durch eine unabhängige Jury
- Schirmherr: Christoph Peters
- Preise: 1. Preis 200 Euro, 2. Preis 150 Euro, 3. Preis 100 Euro
- Preisverleihung: Im Rahmen einer öffentlichen Lesung in der Buchhandlung Hintzen - Termin wird noch bekanntgegeben.
Informationen zu Teilnahmebedingungen und Einsendung erhalten Interessierte bei der Fachstelle für Suchtvorbeugung des Caritasverbandes Kleve, Hoffmannallee 66 - 68, 47533 Kleve, Telefon: 02821 7209-900.