Zum Welttag der Suizidprävention wendet sich die Caritas mit einer dreiteiligen Kurzfilmreihe an junge Männer und appelliert eindringlich "Frag nach. Hör zu. Rede drüber".
Suizid ist die häufigste Todesursache bei Menschen unter 25. Drei von vier Menschen, die durch Suizid sterben, sind Männer. Viele Männer lernen zu schweigen, anstatt zu sprechen. Und sie suchen seltener Hilfe in Krisen. Das gilt leider auch noch im Jahr 2026. Hinzu kommt, dass rund die Hälfte aller Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter Einsamkeit leidet, Mit der Kurzfilmreihe macht der Caritas-Verband auf die oftmals folgenschwere Sprachlosigkeit und Ohnmacht junger Männer aufmerksam.
Die eindrücklichen szenischen Kurzfilme zeigen junge Männer in unterschiedlichen mentalen Krisen. Die Filme erzählen von der Schwierigkeit, sich mitzuteilen, Nähe zuzulassen, einen Zugang zueinander zu finden, und davon, wie Vorstellungen von Männlichkeit diese Distanz verstärken können. Die Reihe wurde mit einem größtenteils ehrenamtlich arbeitenden Team aus Filmschaffenden realisiert und durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.
Suizidprävention muss Zielgruppen differenzieren
Eva Welskop-Deffaa, Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes: "Jeder Suizidgedanke hat seine eigene Geschichte, ist Reflex spezifisch empfundener Ausweglosigkeiten - das gilt für junge suizidale Männer ebenso wie für Frauen, die überlegen, Suizidassistenz in Anspruch zu nehmen.
Wir appellieren als Caritas am Welttag der Suizidprävention dringend an die Politik, ein Suizidpräventionsgesetz auf den Weg zu bringen, das einen umfassenden und zielgruppendifferenzierenden Ansatz verfolgt. Suizidprävention muss darauf ausgerichtet sein, den Lebensmut aller zu stärken, die sich als alte Menschen in ihrer Wohnung einsam und verlassen fühlen, ebenso wie der jungen Menschen, die vor ihren Schulfreunden ihre Depression verheimlichen.
Beratungsangebote wie die U25-Peerberatung sind unerlässlich. Unerlässlich ist zugleich die Stärkung der Methodenrestriktion, die - etwa mit gesicherten Brücken oder Türmen - die erfolgreichste Form der Suizidprävention darstellt."
Caritas stärkt U25-Angebote
Bereits seit 2001 bietet die Caritas mit der [U25] Online-Suizidprävention Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine niedrigschwellige, kostenlose und vertrauliche Online-Beratung, die Hürden für den ersten Schritt in die Hilfe zielgruppenspezifisch senkt. Die Beratung erfolgt durch Gleichaltrige ("Peers") über das Online-Beratungssystem der Caritas und holt die jungen Menschen in ihrer Lebensrealität ab. Derzeit gibt es vierzehn Standorte deutschlandweit, an denen die ehrenamtlichen Peer-Berater*innen ausgebildet und begleitet werden. Im vergangenen Jahr wurden durch die Peers bundesweit etwa 1.800 junge Menschen in Krisen begleitet.
Zuletzt startete die Caritas im Bistum Mainz mit drei neuen [U25]-Standorten. Nach Mainz und Worms geht zum Welttag der Suizidprävention 2026 das Angebot in Rüsselsheim offiziell an den Start. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf wird bei dieser Gelegenheit eine Botschafterrolle für die Online-Suizidprävention übernehmen.
Der SKM Bundesverband e.V., der Caritas-Fachverband für Jungen- und Männerarbeit, baut seit mehr als zehn Jahren das geschlechtsspezifische Beratungsnetzwerk www.echte-maenner-reden.de aus. Im vergangenen Jahr hat er eine digitale Anlaufstelle im Netzwerk "Echte Männer reden." geschaffen. Sie bietet professionelle zentrale Orientierungshilfe zum Hilfesystem - anonym und niedrigschwellig.
Die Filme werden u.a. über die Online- und Social Media-Kanäle der Caritas in Deutschland ausgespielt, und sind auf Youtube verfügbar: https://www.youtube.com/@caritas/featured
Der Deutsche Caritasverband ist der größte deutsche Wohlfahrtsverband und engagiert sich seit über 125 Jahren für Menschen in Not. Mit bundesweit 770.000 Mitarbeitenden, über 500.000 ehrenamtlich Engagierten und rund 25.000 Einrichtungen und Diensten unterstützt die Caritas jährlich rund 13 Millionen Menschen. Von der Kinder- und Jugendhilfe über die Pflege älterer Menschen bis hin zur Begleitung von Menschen in Krisensituationen setzt sich die Caritas für ein solidarisches Miteinander und die Stärkung des Sozialstaats ein. Sie ist mit ihrem Hilfswerk Caritas international weltweit mit mehr als 600 Projekten in 77 Ländern aktiv.