Wie fühlt es sich an, wenn etwas nicht stimmt? Und was können Kinder tun, wenn ihr Bauchgefühl ihnen sagt, dass eine Situation nicht richtig ist? Antworten darauf gibt das neue Präventionstheaterstück "Die Sache mit dem Bauchgefühl", das die Fachberatungsstellen gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen der Caritasverbände Kleve und Geldern-Kevelaer gemeinsam mit "Theater im Fluss" entwickelt haben. Die Premiere findet am Dienstag, 23. September, um 16 Uhr in den Räumlichkeiten des Theaters, Ackerstraße 50 - 56 in Kleve, statt. Eingeladen sind Vertreterinnen und Vertreter von Grundschulen, Schulsozialarbeit und weiteren Bildungseinrichtungen.
Freuen sich auf die Premiere des Theaterstücks „Die Sache mit dem Bauchgefühl“ am 23. September im Theater im Fluss: Sylvia Flegel (v.l.n.r.), Janis Krebbers, Alexandra Ludzinski, Katja Kleinebenne, Alina Hünnekes und Peter Franke. Julia Lörcks
"Wir können Kinder nicht vor allen Gefahren schützen. Aber wir können sie stärken, ihrem Bauchgefühl zu vertrauen und sich Hilfe zu holen, wenn sich etwas nicht richtig anfühlt", sagt Katja Kleinebenne, Diplom-Psychologin sowie Fachberaterin gegen sexualisierte Gewalt beim Caritasverband Kleve. Seit Anfang 2022 baut sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Alexandra Ludzinski beim Caritasverband Geldern-Kevelaer die spezialisierte Fachberatung im Kreis Kleve aus. 2024 wurde das Angebot personell erweitert: In Kleve teilen sich Alina Hünnekes und Peter Franke eine zusätzliche Vollzeitstelle, in Geldern verstärkt Sylvia Flegel das Team mit einer halben Stelle. Neben Beratung und Begleitung betroffener Kinder, Jugendlicher und Familien zählt die Präventionsarbeit zu ihren zentralen Aufgaben.
Aus dieser Präventionsarbeit heraus entstand die Idee für das Theaterstück. Und anders als viele Angebote wurde "Die Sache mit dem Bauchgefühl" auf Grundlage der täglichen Beratungsarbeit von den Fachberater:innen in Kooperation mit dem "Theater im Fluss" geschrieben. "Die Szenen greifen Situationen auf, die Kinder tatsächlich erleben können - behutsam erzählt und immer mit dem Blick darauf, wie Hilfe gelingen kann. Zudem schaffen wir mit dem Theaterstück einen niedrigschwelligen Zugang zu einem schwierigen Thema und unterstützen die Schulen bei ihrem Schutzauftrag", sagt Alexandra Ludzinski von der Caritas Geldern-Kevelaer. Ermöglicht wurde die Produktion durch eine Förderung der Zevens-Stiftung in Höhe von 3.200 Euro.
Szenenbild: Ein Mädchen schreibt mit einem ihr unbekannten Jungen, der persönliche Fotos von ihr möchte und sie unter Druck setzt. Den Chatverlauf zeigt sie ihrer Freundin.Theater im Fluss
Zum Inhalt: "Die Sache mit dem Bauchgefühl" erzählt drei Geschichten aus dem Lebensalltag von Kindern - in der Schule, in der Familie und im Internet. Gemeinsam mit den Schauspielerinnen und Schauspielern sowie den Fachberaterinnen entwickeln die Schülerinnen und Schüler Lösungswege und erfahren, wo sie Unterstützung finden können. Die reine Spielzeit beträgt rund 30 Minuten. Dazwischen gibt es moderierte Gesprächsphasen.
"Das Besondere an diesem Stück ist, dass wir keine abstrakten Gefahren zeigen, sondern Situationen, die Kinder aus ihrem Alltag kennen. So entsteht ein geschützter Raum, in dem sie mitdenken, mitfühlen und gemeinsam Lösungen entwickeln können - ohne überfordert zu werden", sagt Janis Krebbers vom "Theater im Fluss". "Wir wollen Kindern Mut machen, über schwierige Situationen zu sprechen, Nein zu sagen und sich Unterstützung zu holen."
Das Theaterstück richtet sich an Schülerinnen und Schüler der 3. und 4. Klassen im Kreis Kleve. Interessierte Grundschulen können die Produktion ab sofort über die Fachberatungsstellen gegen sexualisierte Gewalt der Caritasverbände Kleve und Geldern-Kevelaer buchen.Jede Aufführung wird durch Fachkräfte der Caritas begleitet und gemeinsam mit der Klassenleitung sowie der Schulsozialarbeit vor- und nachbereitet. Die Kosten betragen 250 Euro zuzüglich Fahrtkosten für zwei Klassen mit jeweils etwa 25 bis 30 Kindern.
Hintergrund
Die Fachberatungsstellen gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen der Caritasverbände Kleve und Geldern-Kevelaer werden zu 80 Prozent durch das Land Nordrhein-Westfalen und zu 20 Prozent durch die Kommunen im Kreis Kleve finanziert.
Wie wichtig Prävention ist, zeigen auch aktuelle Zahlen des Bundeskriminalamtes. Demnach wurden 2025 bundesweit 17.126 Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern registriert - so viele wie nie zuvor. Fachleute gehen zudem von einem erheblichen Dunkelfeld aus. Auch im Kreis Kleve zeigt sich der Beratungsbedarf: Allein die Fachberatungsstelle in Kleve begleitete im vergangenen Jahr 77 Kinder und Jugendliche, darunter 53 Mädchen und 24 Jungen. In Geldern wurden 2025 insgesamt 131 Kinder und Jugendliche beratend begleitet. 70 Fälle konnten beendet werden, davon 40 weiblich und 30 männlich.

Auf einen Blick
- Premiere: 23. September 2026, 16 Uhr
- Ort: "Theater am Fluss", Kleve
- Zielgruppe: 3. und 4. Klassen
- Kosten: 250 Euro zzgl. Fahrtkosten/Aufführung (pro Aufführung max. 2 Klassen mit je 25-30 Kindern)
- Buchung: über die Fachberatungsstellen gegen sexualisierte Gewalt der Caritas Kleve und Geldern-Kevelaer